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Kirchhof und Kircher: Eine Adresse in Kirchennähe hatte große VorteileDer Kirchhof war ursprünglich ein ummauerter Raum um die Kirche. Er war Versammlungsort, aber auch Sammelplatz der Bewaffneten. Viele Kirchen, vor allem in Grenznähe, waren ja als Wehrkirchen erbaut. Verfolgte fanden dort Asyl, denn der Kirchenfriede galt auch für den Kirchhof. Darum drängten sich viele Häuser um den Kirchhof. "Am" oder "beim Kirchhof" war eine häufige Adresse, die dann später zum Familiennamen wurde. Etwa 13 000 heißen Kirchhof(f), dazu kommen noch etwa 2700 niederdeutsche Kerckhoff, Kerkhoff und Kerkhof, Kirchhofer und Kirchhöfel. Zum Vergleich: Etwa 1000 Dänen heißen Kierkegaard, das ist etwa derselbe Prozentsatz der Bevölkerung. Ein ähnlich entstandener Wohnstättenname ist Kirch, auch hier ursprünglich "an der" oder "bei der Kirch". Am häufigsten in dieser Namenfamilie ist aber der Kircher oder Kirchener (etwa 27 000). Heute heißt er Mesner oder Küster. Auch der Kirchmann, niederdeutsch Kerkmann, stand im Dienst der Kirche, ebenso der Kirchmeier, der kirchliche Güter verwaltete. Kircheis(en) - einige haben sich analog zu Schultheiß zu Kirchheiß "verbessert" - war der Schmied, der für die Kirche hämmerte, und der Kirchwehm ackerte auf Kirchenland. Die etwa 100 Leute, die heute Kirch(en)schläger heißen, hatten aber nicht etwa Vorfahren, die kirchenfeindlich waren, sondern sie siedelten auf einer Rodung, die der Kirche gehörte. Zählt man alle Kirch-Namen zusammen, kommt man auf die stattliche Zahl von 240 000. Das sind aber doch nur halb so viele, wie die Müllers ganz allein zusammenbringen. Artikel erschienen am 26.08.2005 Copyright DIE WELT.de 1995 - 2006
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